Interview mit Dr. Dirk Bender

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Vor einigen Wochen sprach ich mit dem Hausarzt und Sportarzt, Dr. Dirk Bender über das Thema Reanimation und er ist der Meinung: „Reanimation ist kein Teufelswerk!“

Liliane Kozik, Dr. Dirk Bender
Foto: Liliane Kozik


Warum ist die Herzdruckmassage so wichtig?
Die Herzdruckmassage gewährleistet oder hält die Zirkulation aufrecht. Das heißt, durch die Herzdruckmassage entsteht im Herzen ein Auswurf von Blut, welches in den Kreislauf fließt und dadurch werden die Organe weiterhin durchblutet.


Finden Sie es ausreichend, dass die Herzdruckmassage nur einmal vor dem Führerschein gelehrt wird, bzw. nur ein Erste-Hilfe-Kurs verpflichtend ist?
Nein, das finde ich nicht ausreichend. Ich fände es gut, wenn zumindest alle zehn Jahre die Menschen wieder an erste Hilfekursen teilnehmen. Ich fände es auch gut, wenn erste Hilfekurse flächendeckend an Schulen durchgeführt werden würden. Manche Menschen machen ja gar keinen Führerschein. Gerade in den Städten liegt die Führerscheinquote nur noch bei 50–60 Prozent der Schulabsolventen, sodass ein ganzer Teil gar nicht mit einem Erste-Hilfekurs in Kontakt kommt, es sei denn, er kümmert sich selber aktiv darum. Ich fände es gut, wenn man auf irgendeine Weise gewährleisten könnte, dass jeder einen Erste-Hilfekurs macht.


Warum helfen so wenig Menschen?
Es ist sicherlich sehr viel Unsicherheit dabei. Die Menschen haben Angst davor etwas falsch zu machen. Ich glaube, dass das sogar der Hauptgrund ist, weniger als, dass die Menschen daran kein Interesse haben zu helfen und deshalb einfach weitergehen. Ich denke, es ist eher die Angst, dass sie etwas falsch machen können.
Was denken Sie, warum wissen so wenig Menschen über das Thema Laienreanimation Bescheid?
Weil es sie nicht betrifft. Solange man es nicht selber erlebt hat oder von Berufswegen immer wieder damit konfrontiert ist, ist es etwas, was sehr selten im Leben vorkommt. Letztendlich setzten sich Patienten, was ich hier erlebe, so der normale Patient, auch immer erst mit einer Krankheit auseinander, wenn er mit dieser konfrontiert wird und es sozusagen den eigenen Leib betrifft.


Wie könnte diese Thematik Ihrer Meinung nach mehr Aufsehen erhalten?
Die Idee der Laienreanimation an Schulen finde ich schon super und auch, diese Sachen in die Medien zu tragen und die Menschen damit zu konfrontieren und dadurch mit der Thematik zu sensibilisieren die Laienreanimation zu machen.
Denken Sie, dass Schüler die Retter von Morgen werden könnten?
Ja, auf jeden Fall. Wann erfassen wir unsere Bürger zum ersten Mal? Wann können wir sie noch fast vollständig zur Verantwortung ziehen? Wann können wir noch Einfluss auf alle nehmen? Solange sie schulpflichtig sind!
Das heißt, wenn das Thema zu einem Baustein in der Bildung unserer Kinder wird, dann sind sie ein Leben lang dafür sensibilisiert und werden zu guten Rettern von morgen.

Was halten Sie von dem Ziel, dass Schulen mit einem AED ausgestattet werden sollten?
Das halte ich für sehr sehr wichtig. Nicht nur für die Schüler, sondern vor allen Dingen auch für die Lehrer, da hier die Wahrscheinlichkeit viel höher ist, auch wenn sie prozentual weniger sind, als die Schüler. Dementsprechend sollten im Grunde auch die Lehrer geschult werden.


Was bringt ein AED?
Ein AED ist ein automatisches Herzrhythmusaufzeichnungsgerät. Das heißt, es hat zwei Funktionen. Wir können die Elektroden aufkleben und sehen, hat der Patient eine bösartige Herzrhythmusstörung, oder ist er aus anderen Gründen ohnmächtig geworden. Somit ist ein AED auch immer ein Diagnostikum. Damit muss sich der Laie gar nicht auskennen, aber dieses Gerät erkennt sehr zuverlässig, ob eine bösartige Herzrhythmusstörung vorliegt, oder nicht. Wenn ein Kammerflimmern, also eine bösartige Herzrhythmusstörung vorliegt, die zu einer Kreislaufunterbrechung führt, wird es von dem System erkannt. Dieses System ist dann dazu in der Lage, einen Stromstoß abzugeben. Die Abgabe dieses Stromstoßes hat oft zur Folge, dass der Patient wieder einen Kreislauf bekommt. Das heißt, dass er wieder eine Herzkraft und einen regelmäßigen Herzrhythmus entwickelt und dadurch gerettet werden kann. Wenn ein AED in den ersten 5 Minuten des Eintretens einer Herzrhythmusstörung sofort gewinnbringend eingesetzt werden kann, kann er wirklich Leben retten und das ist dann auch nicht schon mit Hirnschaden verbunden und das kann dann auch wirklich bedeuten, dass diejenigen ohne Hirnschaden und ohne Folgeschäden nach einer Reanimation wieder hergestellt werden können und insofern sind AED ein unumstrittener Segen. Hier vor Ort besitzen wir schon viele AEDs und in AED Benutzung geschulten Laien, da müssen wir uns nicht verstecken, dass sollte eigentlich auch in Deutschland mittlerweile, man sieht es auch in der Zeitung, flächendeckend realisiert werden.


Was würden Sie anderen Menschen bezüglich dieser Thematik gerne mit auf den Weg geben?
Reanimation ist kein Teufelswerk. Wenn man eine Person vorfindet, die keinen Kreislauf hat und nicht mehr ansprechbar ist, ist das Einzige, was man falsch machen kann, dass man gar nichts tut. Vor allen Dingen, wenn man in einer Situation dazu gekommen ist und hat auch gesehen, wie diese Person ohnmächtig geworden ist. Man kann in dieser Situation nicht viel falsch machen. Sofort zu der Person hingehen, ansprechen. Wenn er nicht antwortet, die Atmung kontrollieren. Wenn er nicht atmet, mit einer Herzdruckmassage beginnen. Das ist eine sehr einfache Abfolge von Dingen und das sollte jeder zu mindestens versuchen. Man macht nichts falsch dabei! Im Zweifelsfall, wenn man nichts tut, ist der Patient tot, wenn man etwas falsch macht, dann ist der Patient auch tot, aber eben vielleicht auch nicht. Der Patient hat gar keine Chance, wenn man nichts tut. Wenn man etwas tut, hat er zumindest eine geringe Chance, also machen.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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